Warum Töchter ihre Mütter manchmal doof finden müssen

oh, oh . . .

gerade hast du deine neue coole Flared-Jeans mit dem hippen Cropped-Top angezogen, da schallt es dir entgegen:

„Mami, du bist peinlich!“

„Kannst du nicht einfach ganz normale Hosen mit einem T-shirt tragen? – So wie alle anderen Mütter auch?“
Das sitzt.

Ok, was machst du jetzt?

Fängst du an, an den frisch aufgeklebten Fingernägeln deiner Tochter rumzumäkeln, ihren total überschminkten Augenbrauen, den gefärbten Haaren oder übst du dich in Gelassenheit?

Kratzt es an deinem Ego? Ein bisschen schon, oder?

 

Du findest deine Tochter nervig.
Sie findet dich peinlich.
Kriegserklärung – oder Friedenspfeife?
Wie entscheidest du dich?

Achtung: In der Pubertät erklären Töchter ihre Mütter oft vorübergehend zum Feindbild.
WARUM?
Ganz einfach: um sich besser von dir lösen zu können.

An dem Thema Abnabelung, Loslassen und Lösen, kommt in der Pubertät keiner vorbei.
Warum dich deine Tochter dabei manchmal blöd finden muss, liest du hier:

Konflikte mit Teenager-Töchtern werden in der Pubertät zuweilen richtig heftig.

Anstrengend und nervenaufreibend für beide Seiten.

Nicht beunruhigend, aber kräftezehrend und Geduld erfordernd.

Theoretisch ist dir vieles klar.

Nur praktisch – wie setzt du dein Wissen in die Tat um, wenn du emotional berührt bist, traurig, wütend oder enttäuscht über den kräftigen Gegenwind, der dir ins Gesicht weht?

Ich zeige dir, warum die Pubertät für Mütter und Töchter eine hochexplosive Phase ist und wie du das Explosionspotential verringerst – den Sprengstoff entschärfst.

Mädchen haben es doppelt schwer, sich von dir zu lösen

Eins ist klar:
Du als Mutter bist für deine Kinder zunächst die wichtigste Bezugsperson. Punkt.
Die enge Bindung beginnt bereits im Mutterleib.
Auch eine Zeit lang nach der Geburt ist die Bindung – im Idealfall zu Mutter – noch symbiotisch. Das heißt die Bindung ist für dein Baby überlebensnotwendig, denn selbst versorgen kann es sich nicht.
Nach und nach entwickelt dein Kind seine eigene Selbständigkeit.

Deine Aufgabe ist es dabei – du weißt es schon – seinen natürlichen Autonomiebestrebungen nachzugeben und ihm altersentsprechende Erfahrungen zu ermöglichen:

  • dein Kind krabbelt und erforscht seine Umwelt
  • wendet sich anderen Personen zu
  • zieht sich selber an . . . auch deine Schuhe und Kleider :-)
  • . . .

Das alles liegt längst hinter dir.

Weiter geht’s . . .

Die Doppelbindung macht den Unterschied

Bei der Entwicklung von Jungen und Mädchen gibt es einen entscheidenden Unterschied:

Jungs nehmen sich ab einem bestimmten Zeitpunkt den Vater – soweit vorhanden – als Vorbild und beginnen, sich mit ihm und seiner Rolle zu identifizieren.

Für Mädchen ist die Mutter:

  1. (meistens) die wichtigste Bezugsperson UND
  2. zusätzlich das weibliche Identifikationsobjekt, sprich Rollenvorbild des Mädchens.

Das bedeutet, dass Mädchen quasi doppelt an ihre Mütter gebunden sind.

Doppelte Bindung = doppelte Herausforderung sich loszulösen und abzugrenzen

Möchte deine Tochter in ihrer Entwicklung voran kommen, muss sie:

  1. die enge Beziehung zu dir lösen, indem sie mehr Eigenverantwortung übernimmt sowie sich anderen Personen mehr zuwendet und öffnet
  2. ihre eigene Rollenidentifikation finden, indem sie ihre eigene Vorstellung vom Frausein entwickelt

Wie macht sie das?

Wie geht sie auf Distanz und zeigt, dass sie anders ist als du?

Die einfachste Methode, sich von jemandem abzugrenzen und innerlich von ihm zu distanzieren ist, ihn “doof” oder unmöglich zu finden.

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, ist dies im Grunde ein Liebesbeweis, denn peinlich findet man nur jemanden, der einem emotional nahe steht – für Fremde schämt sich kaum einer.

ALSO:

Sei nicht persönlich gekränkt – dein Kind hat dich immer noch lieb – braucht aber die Distanzierung, um zu mehr Selbständigkeit zu gelangen.

ALLERDINGS:

heißt das nicht, dass du dir – bei allem Verständnis für die Notwendigkeit der Abgrenzung – alles gefallen lassen solltest. Wenn dein Kind dich beleidigt oder beschimpft – ist ein “Ich möchte nicht, dass du in dieser Weise mit mir sprichst!” absolut angebracht.

FAZIT:

Als Mutter wirst du im Leben deiner Tochter immer eine besondere Rolle spielen.

Die Beziehung zwischen dir und deiner Tochter ist etwas ganz Besonderes. Sie ist die komplexeste zwischenmenschliche Bindung überhaupt – im Spannungsfeld zwischen Liebe, Fürsorge, Anerkennung und Abhängigkeit.

Besonders dankbar wird dir deine Tochter sein, wenn du ihr eine echte Chance gibst, sich von dir zu lösen.

Das bedeutet für dich:

  1. du akzeptierst die Veränderung deiner Tochter
  2. du hältst auch unangenehme Tatsachen einfach aus, indem du
  • ihr die Freiheit zugestehst, dich blöd zu finden und ganz anders erscheinen zu wollen als du
  • akzeptierst, dass sie sich phasenweise von dir abwendet und sich dir nicht mehr so häufig anvertraut
  • erträgst, dass sie eine jugendliche Schönheit wird während du älter wirst :-)
  • akzeptierst, dass andere Personen jetzt wichtiger werden – die Clique, ihre Freundinnen oder der erste Freund

Bist du traurig über diese Entwicklung?

Ja, warum nicht? Geh’ ehrlich mit deinen Gefühlen um – das tut dir gut und deiner Tochter ebenso.

Gemeinsam durch die Pubertät: 3 Ansätze, die euch beide stärken

Fact ist:

Auf die Sichtweise kommt es an.

Heranwachsende Töchter (und Söhne) sind eine Bereicherung für unser Leben, wenn du sie als interessante, in der Entwicklung begriffene Personen mit immenser Innovationskraft betrachtest und nicht als nervige Stressfaktoren.

Manchmal geht das Positive, das die Pubertät so mit sich bringt im turbulenten Alltag einfach unter – hole es wieder hervor und frage dich:

#1 was schätzt du an deiner Tochter am meisten?

besinne dich auf das Positive:

  • ich mag besonders an ihr, dass . .
  • sie kann besonders gut . .
  • ich bin stolz auf meine Tochter, wenn
  • ich fühle mich meiner Tochter besonders nah, wenn . . .
  • ich bin gerührt wenn meine Tochter . . .

 

#2 wie kannst du ihr etwas Gutes tun?

wann geht es ihr gut – was kannst du für sie tun? Wenn du keine Antwort darauf weißt, frag sie selbst.

  • sie wirkt fröhlich, wenn . . .
  • sie macht einen glücklichen und zufriedenen Eindruck, wenn . . .
  • sie ist stolz auf sich, wenn sie . . .
  • sie ist im “flow”, wenn sie . . .
  • die letzten drei Erfolgserlebnisse meiner Tochter waren . . .
  • sie freut sich, wenn ich . . .
  • sie fühlt sich angenommen und geliebt wenn ich . . .
  • sie fühlt sich gestärkt, wenn ich . . .
  • ich kann sie trösten, indem ich . . .

 

#3 was tut dir persönlich gut?

Mega wichtig: dein eigenes Wohlbefinden!

Mache dir bewusst, was dir gut tut, indem du dich fragst:

  • ich fühle mich besonders wohl, wenn ich  . . .
  • ich freue mich, wenn  . . .
  • ich kann gut entspannen, wenn ich  . . .
  • ich kann am besten Energie auftanken, indem ich  . . .
  • ich fühle mich besonders lebendig, wenn ich  . . .

Und dann: just do it! :-)

 

Ach so, fast hätte ich es vergessen.

Weißt du, warum die Konflikte zwischen Müttern und Töchtern oft explosiver sind als früher, das Ringen um Ebenbürtigkeit nervenaufreibender und intensiver?

Die Zeiten werden härter. Nein, Scherz.

Der Grund dafür bist du.

Ja, tatsächlich – es ist so.

HÄ? fragst du dich. (Ich sehe die Stirnrunzeln auf deinem Gesicht.) Du glaubst es nicht?

Weil du dich heute sehr viel jugendlicher gibst und manche Mütter sich äußerlich kaum noch von ihren Töchtern unterscheiden.

Dieses Konkurrenzphänomen macht es den Töchtern schwer, sich abzugrenzen, sich zu befreien und sich selbst zu finden.

So schwer, dass manche sogar voll auf Udo Jürgens-Schlager stehen.

Sie haben es nicht leicht: Mädchen zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Für Mädchen ist es heutzutage nicht ganz leicht, erwachsen zu werden.

Vorbei sind die Zeiten, in denen eine klare Rolle als zu künftige Mutter und Hausfrau fast vorbestimmt war – glücklicherweise :-)

Dafür haben sie nun die Qual der Wahl:

Die Ideale, mit denen junge Frauen sich heutzutage konfrontiert sehen, sind enorm vielfältig und zum Teil höchst widersprüchlicher Natur.

Frauen – das insbesondere durch die Medien propagierte Image – sollten nämlich idealerweise

  •  gut aussehen und attraktiv sein
  •  schlank und sportlich sein
  •  selbstständig, selbstbewusst und durchsetzungsfähig sein
  •  verständnis- und rücksichtsvoll sein
  •  gut ausgebildet sein und eigenes Geld verdienen
  •  eine verlässliche Partnerin sein
  •  sich selbst verwirklichen
  •  Kinder bekommen und sich gut und liebevoll um sie kümmern etc.

Kein Mensch kann all diese Erwartungen auf einmal erfüllen.

Aber: “Was macht eine Frau eigentlich aus?”, wird sich deine Tochter fragen:

  • ist sie immer sanft und gutmütig?
  • darf sie auch mal aggressiv sein?
  • was ist überhaupt “weiblich”?
  • was für eine Frau möchte ich werden?

Diese Themen werden sie beschäftigen.

Sie muss sich damit auseinander setzen, um  Prioritäten für ihr eigenes Leben zu entwickeln.

Wie diese Antworten ausfallen werden, hängt stark davon ab, welche Erfahrungen deine Tochter bisher mit erwachsenen Frauen gemacht hat.

Welche Rollenmodelle hat sie bis jetzt kennengelernt?

Auch klischeehafte Frauenbilder aus den Medien („sexy Vamp“, dünnes Model, erfolgreiche Glamourqueen, toughe Sängerin etc.) prägen ihre Idealvorstellungen von Weiblichkeit und Frausein.

Hier bist du gefragt:

Unterstütze deine Tochter bei diesem Prozess.

Diskutiert miteinander über Frauenbilder und Frauenrollen in der Gesellschaft. Respektiere ihre Meinung und lege ihr auch deine eigene Meinung dar – vor allem, wenn du eine andere vertrittst.

 

So genug der grauen Theorie.

Jetzt kommen die wichtigsten 3 Tipps für eure erfüllte Beziehung.

Zeit mit einander verbringen – und zwar vergnügte Zeit. Let’s go!

Have Fun together:

3 Tipps für gelungene Mutter-Tochter-Unternehmungen

 

  1. simpel und wirkungsvoll: gemeinsames Shopping 

die meisten Mädchen genießen es, ab und zu gemeinsam Shoppen zu gehen. Dabei geht es um eure gemeinsam vergnügt verbrachte Zeit, nicht um den massenhaften Einkauf von Luxusartikeln

2. Step-up: Kino, Theater, Popkonzert

welche Filme interessieren euch? Habt ihr einen ähnlichen Musikgeschmack? Macht eure gemeinsamen Vorlieben zur Quality-Time – es gibt sicher Tanzperformances oder Movies, die deinen Mann weniger interessieren als deine Tochter :-)

3. Sport für’s Selbstbewusstsein:

Sport macht nicht nur Spaß, sondern stärkt gleichermaßen auch das Selbstbewusstsein. Ob Hochseilgarten, Jogging, Schwimmen oder Mountainbiking – der Fun-Faktor ist das Entscheidende.

 

So, jetzt bist du an der Reihe!

Wo verbringst du die schönsten Stunden zu zweit mit deiner Tochter?

Welches sind eure schönsten gemeinsamen Erlebnisse?

Wir wollen es wissen!

Ich freu’ mich auf deinen Kommentar mit euerem einzigartige Erlebnis.

THX :-)

 

Moment: ER darf auf keinen Fall fehlen: der ausgleichende X-Faktor!

Väter mildern Mutter-Tochter-Konfklikte

Väter sind wichtig – auch in der Mutter-Tochter-Beziehung.

Ohne Vater bzw. ohne seine Präsenz in der Familie, kann die Beziehung zwischen dir und deiner Tochter besonders explosiv werden.

WARUM?

Ohne ihn fehlt eine Projektionsfläche.

Väter sind anders  – und das ist auch gut so.

Sie haben eine andere Sichtweise auf die Dinge. Egal ob Ausgehen am Abend, Zuspätkommen oder Alkohol – so kannst du konfliktreiche Themen “auslagern” und an ihn weitergeben.

Väter sind meist nicht so eng wie Mütter mit ihrem Nachwuchs vernabelt und gehen deshalb häufig mit Konflikten – vor allem bei Mädchen – gelassener um.

 

Quellenhinweise:

Jan Uwe Rogge, Pubertät-Überlebensbrief